Home
Montag, 23. November 2009

Empfehlen Sie diese Seiten Freunden und Bekannten!

Bitte geben Sie den Sicherheitscode ein

absenden
Lesezeichen:
yigg delicious link webnews digg wong Furl Oneview

Familie Vitts Platz an der Sonne

© F.A.Z. - Julia Zimmermann

Ein Banker und seine Familie waren den Stress und die Hektik der Innenstadt leid. Sie werben für den Umzug auf den Riedberg.

Von Rainer Schulze

Der Sprung aus dem Hörsaal in den eigenen Garten ging für Jan Vitt verblüffend schnell: "Wir sind auf dem Weg von dynamischen Studenten zu spießigen Eigenheimbesitzern", sagt er. Und lacht. Was früher die Mensa oder die Kneipe waren, ist heute der Spielplatz. Hier treffen die Vitts ihre Nachbarn und Freunde und die Kinder neue Spielkameraden. Darum trauere er der verflossenen Studentenzeit auch nicht hinterher, sagt der 40 Jahre alte Banker. "Dafür ist es zu schön hier oben."
Vor zehn Jahren kam Jan Vitt mit zwei Koffern nach Frankfurt. Das Studium in Kiel hatte er abgeschlossen, nun konzentrierte er sich auf die Arbeit. Dann kamen die Kinder und schließlich der Gedanke an ein eigenes Heim. Am Westhafen, wo er "umzingelt von Radrennen und Triathlon" bisher wohnte, war ihm und seiner Frau Petra zu viel los. Das neue Domizil sollte ruhiger gelegen sein. "Die Schwerpunkte verschieben sich ganz automatisch." Die Wahl fiel auf den Riedberg. Hier, auf dem Hügel mit Skyline-Blick, schätzt er die "psychische Nähe" zur Stadt. Das Gefühl, zu Frankfurt zu gehören. "Aber von Hektik und Stress der Innenstadt kriegen wir hier nichts mit."

Jan Vitt sagt, er identifiziere sich mit dem Stadtteil. Den Nachbarn gehe es ähnlich. "Wir haben angefangen zu bauen, als hier noch grüne Wiese war und tauschen uns viel über die Entwicklung des Stadtteils aus." Als die Vitts im Januar 2007 mit dem Bau begannen, waren sie erst die vierte Familie hier oben. Heute geben sie den Passanten, die am Wochenende über den Riedberg spazieren und den Stadtteil genau unter die Lupe nehmen, einen Ratschlag: "Kommt auf den Riedberg." Dass Spaziergänger den Baustil ihres Doppelhauses besonders loben, freut den Banker. "Das ist kein lieblos hingebauter Klotz, sondern wurde von einem guten Architekten entworfen." In der Nachbarschaft entstehen fünf weitere Doppelhäuser, keines gleicht dem anderen.
Im September hat die junge Familie ihr Eigenheim an der Konrad-Zuse-Straße bezogen. Die Aussicht auf den Feldberg haben die Vitts seither genossen. Doch der Riedberg wächst weiter und hinter dem Haus wird das nächste Grundstück bebaut. Der Feldbergblick wird eingeschränkt. Und auch vor dem Haus rückt das Baugerät wieder an. Anfangs war Jan Vitt skeptisch, als er hörte, dass dort Geschosswohnungen statt den angekündigten Doppelhaushälften gebaut werden sollen. Doch da ihm versprochen wurde, dass vor der Haustür "hochpreisige Wohnungen" entstünden, ist er beruhigt. Und er hofft, dass auf dem Balkon im ersten Stock der Platz an der Sonne zumindest erhalten bleibt.
Carl Vitt ist ein ausgesprochen fröhliches Kind. Der einjährige Knirps lacht die meiste Zeit. Für ihn und seine drei Jahre ältere Schwester Ann-Sophie ist eine große Baustelle in der Nachbarschaft viel spannender als ein Sandkasten. Die Bauarbeiter gehörten schon bald zur Familie, scherzt ihr Vater. "Im Winter werden wir sie vielleicht mal auf einen Kaffee einladen." Wenn die Siedlung fertig ist, ist es mit dem Lärm vorbei. Die Konrad-zuse-Straße soll verkehrsberuhigt werden.
Die Vitts haben sich damit arrangiert, in einem unfertigen Viertel zu leben. Dass Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe noch fehlen, stört sie nicht. "Wir versorgen uns mit dem Auto." Wenn das Auto einmal stehen bleibt, nervt Jan Vitt allerdings die lange Fahrzeit mit Bus und U-Bahn. 45 Minuten dauert es, bis er seinen Arbeitsplatz im Westend erreicht hat. Seine Frau Petra arbeitet ebenfalls dort in einer Bank. Carl und Ann-Sophie kommen morgens mit. Wenn die Stadtbahn wie angekündigt bis 2011 kommt, geht die Fahrt in die Innenstadt hoffentlich zügiger. Und noch etwas vermisst Herr Vitt: "Eine Eisdiele für die Kinder. Das wäre toll."

Kommentare


Kommentar schreiben

Um Kommentare schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Registrieren Sie sich hier.

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008